Dieses Unternehmen braucht die Welt nicht mehr

2020 sollte hier eigentlich Schluss sein mit den Goodgame Studios (Achtung: Neues Spiel Big Farm: Home & Garden im zweiten Absatz), es gibt aber gute Gründe, etwas neues zu verkünden. 51904 Gründe, denn das ist (Stand jetzt) die Anzahl der Leser des letzten Blogeintrags. Es hat sich einiges getan, darüber sollte man schreiben. Ein neuer Internationaler Server auf Goodgame Empire (Moment, war da nicht was? Neuer Server? Keine Zusammenlegung der Server, was heftigst von Moderatoren und Communitymanagement bestritten wurde? Kein Geld um die alten Server zu betreiben, weswegen man schweren Herzens Werbung schalten musste?), ein PC Spiel im Early Access, ohne Content aber mit einem Ingame-Shop? Hach, es macht Spaß zu sehen, wie man ein ums andere Mal den sogenannten “Griff ins Klo” zelebriert und die nächsten Kunden vergrätzt. Und natürlich das neue Flaggschiff der selbsternannten “500 Millionen Nutzer”-Truppe aus Hamburg: Goodgame Studios Big Farm: Home & Garden.

Goodgame Studios Big Farm: Home & Garden

In einer mobilen Version nimmt man sich jetzt das nächste abgelutschte Thema aus dem letzten Jahrzehnt zu Brust, um die 99. Kopie eines recht gut gelungenen PC Spiels namens House Flipper (DLC: Garden Flipper) gewinnbringend zu vermarkten. Nimmt man die Preisspanne aller vorhandenen Games der Goodgame Studios, dürfte Big Farm: Home & Garden wie im höchsten Preissegment anzusiedeln sein. Vorstellbar sind folgende Preisspannen bei der Einrichtung des eigenen Geldspeichers (Dagobert lässt schön Grüßen):

Tisch 19,99 €, je Stuhl 4,99 €, Tisch plus 4 Stühle im Täglich erscheinenden Jahresangebot von nur 29,99 €. Badezimmer komplett aus Marmor (für die virtuelle Familie nur das Beste) zum Preis von 99,99 €. Teuer dürfte der virtuelle Spaß erst bei Elektrogeräten werden, da sollte man schon einmal für eine Soundanlage der gehobenen Mittelklasse mit 199,99 € rechnen, den Sound werden die fachkundigen Programmierer nach 4 bis 11 Updates sicherlich installiert bekommen, so fair sollte man bleiben.

Ein neuer Server muss her

Interessant war aber vor allem eines, ein neuer Server Namens World1. Wie bereits hier berichtet, folgte prompt der erste Teil der Umsetzung, der neue Server, versehen mit diversen Dementis einiger Moderatoren oder Community Manager, die abermals alle Spekulationen über eine Zusammenlegung der einzelnen Server als Gerücht verkaufen. Vor kurzem wurde die Schaltung von Werbung im Spiel damit verkauft, dass man Updates und bestehende Server nur mit eben dieser Werbung finanzieren kann. Da stellt sich also jedem interessierten Leser die Frage, warum für neue Spieler plötzlich ein neuer Server eröffnet wird, der wie alle anderen natürlich auch Kosten mit sich bringt. Nichts Genaues weiß man, aber es wurde bestätigt, dass ein Umzug aller Spieler auf einen Server technisch derzeit nicht machbar sei. Der Gedanke war also schon da, die Server zusammenzulegen, ansonsten muss man sich ja gar nicht mit der Problematik beschäftigen, oder?

Zudem gibt es ja bestehende Internationale Server, auf denen schon seit Jahren Ruthenisches Salzkraut die Gegend unsicher macht und Spieler eher vor den fliegenden Westernbüschen das Weite suchen. Um mit sämtlichen Argumentationen aufzuräumen, die Aussage, man könne ohne Nachteil auf einem neuen Server durchstarten ist so dermaßen albern, dass viele wahrscheinlich selbst nicht daran glauben,  was sie da für einen Unfug schreiben. Laut des Berichts eines Spielers aus einem größeren Clan sind die ersten Spieler auf World1 schon wieder bei Legendenlevel 800 und laufen mit nicht irdischen  Feldherren durch die Gegend. Es bleibt also beim Versuch, die Rechtmäßigkeit des neuen Servers zu erklären.  

Gratis Aluhut zum anprobieren

Alles kein Problem, es wird auf jeden Fall alles mehr oder weniger sinnvoll wiederlegt und zum Gegenangriff geblasen,  den Spieß umzudrehen. Frei nach dem Motto „Wem kann ich meinen Aluhut am besten unterjubeln“  werden jetzt Beweise von anderen eingefordert, obwohl man sich selbst zunächst verteidigen sollte. Eine Runde „Wahrheit oder Pflicht“ könnte die Situation sicherlich beleuchten, dürfte aber eher der Belustigung Dritter dienen.

Wo wir schon bei der Wahrheit sind, können wir mal mit den ersten Fragen beginnen:

„Generell „lügen“ wir nicht.“ (Zitat: Forum)

Sehr interessante Aussage, wir lügen also nicht generell sondern nur manchmal, der Prozentsatz der Lügen wird am Glücksrad durch die Trommel gejagt und wir machen das sowieso nur, wenn es mal wieder kurz vor 12 ist. Danke für diesen einen Satz, der den Rest der Aussage eigentlich obsolet macht.

„Dieses Forum ist dazu da, um über das Spiel zu reden. Ich lösche generell keine Kritik, egal ob sie gegen mich oder das Spiel geht.“ (Zitat: Forum)

Und da haben wir doch schon den ersten Punkt, der zu einer Pflichtaufgabe wird. Mal abgesehen davon, dass wieder einmal das Wort „generell“ einen ganz großen Spielraum lässt, ist auch der zweite Teil des geschriebenen mehrdeutig. Selbst wenn eine Person nicht löscht, nicht zensiert, so macht es eben eine andere Person. Eine nichtssagende Aussage, eine Phrase wie sie im Buche steht und an die guten alten Zeiten des Phrasenschweins in einer Talkrunde rund um das Thema Bundesliga erinnert.

Hätte man schon eher an das Aufstellen eines Phrasenschweins gedacht, es wäre inzwischen gut gefüllt. Ganz ehrlich, platte Aussagen zu formulieren, die in jeglicher Hinsicht Spielraum für Spekulationen lässt, schafft weder Vertrauen, noch hält es andere davon ab, eben doch alles in Frage zu stellen, was von Seiten der Goodgame Studios serviert wird. 

Die Zeiten, sich für “Dumm” verkaufen zu lassen, sind vorbei

Nichts Neues erzähle ich, wenn man sich an die Aussagen der Betreiber erinnert, den Kunden für blöd zu verkaufen. Beispiele gefällig? Wie oft wurde ein Inhalt aus dem Spiel entfernt oder verändert indem man mitteilte, das wäre ein Bug und gehört nicht zum Spiel. Nach 3 Jahren ist ein Feature also ein Bug? Wie oft wurden Bugs, die einen Nachteil für die Goodgame Studios dargestellt haben, umgehend gefixt während andere Bugs teilweise seit Jahren im Spiel sind bzw. immer wiederkehren. Dies entspricht natürlich nicht den Tatsachen, wen wundert es. Oder wie war das mit verloren gegangenen APs, die angeblich nicht mehr wiederhergestellt werden können? Ganz plötzlich ging es wie aus dem Nichts heraus. Es gibt dutzende Beispiele, in denen die User, also die Kunden, wirklich und ernsthaft für Dumm verkauft wurden. Dass dies schon mehr als die Vorstufe zur Lüge ist, sollte jeder einzelne erkennen.

Kritik unerwünscht

Aber zurück zur mehr oder weniger expliziten Aussage, Kritik werde nicht gelöscht (von wem denn jetzt?). Am 20.11.2020 wurden alle meine Beiträge gelöscht, alle Beiträge seit 2013. Es gab weder eine Ankündigung, noch ein Hinweis, noch eine Reaktion. Ja, es gab noch nicht einmal eine Kündigung des bestehenden Vertrages. Erstaunlich daran ist, dass ich die Tage zuvor nichts mehr geschrieben/gepostet habe. Man muss ja auch sehen, dass von diesen Beiträgen gerade einmal vielleicht 10-15% kritischer Natur waren.

Auf meinen Beitrag zur Löschung sämtlicher Beiträge bekam ich weder eine Antwort, noch eine Reaktion. Doch, eine Reaktion ist mir erst jetzt im Januar 2021 aufgefallen:  Ein neuer Beitrag, von mir verfasst, war nur für mich sichtbar, wurde also von vornherein gesperrt und am nächsten Tag gelöscht.

Goodgame Empire Forum

Wie wir alle sehen, es wird nicht zensiert auf den Seiten der Goodgame Studios, kritische Meinungen werden nicht gelöscht, alles, was  Dritte bzw. direkt beteiligte über Goodgame berichten ist erfunden und gelogen, die einzigen, die immer die Wahrheit verbreiten sind die Verantwortlichen der Goodgame Studios, Gelle?

Werden hier Parallelen zur Geschichte deutlich? In welchen Regimen und Diktaturen erkennt man ähnliche Grundzüge der Verherrlichung eigener Positionen und der Unterdrückung anderer als der eigenen Meinung?

Verwantwortung für eine Gesellschaft

Jeder einzelne hat eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, vor allem aber die Politik und Unternehmen, die uns als Land auch international vertreten. Ein Vorbild gibt dieses Unternehmen mit dem Ausschluss von Spielern durch kritische Beiträge in den dafür vorgesehenen Medien sicherlich nicht ab. Schlussendlich erinnert man sich als Kunde außerhalb Deutschlands an die dunkelsten Stunden unserer Vergangenheit, in denen die Freiheit zur Äußerung der eigenen Meinung eingeschränkt und verfolgt wurde.

Was gäbe es für einen Aufschrei, wenn Portale zur Produktrezension  alle Beiträge löscht, die ein Produkt negativ wirken lässt. Es ist ein Beispiel wie viele andere, die nicht nur jedem einzelnen, sondern insbesondere auch der Politik zu denken geben sollte, ob das virtuelle Hausrecht bei Missbräuchlicher Verwendung noch dem Standard der Zeit entspricht. Gerade in Zeiten von Corona engagiert sich die Politik, Leugnern einen Riegel vorzuschieben. Genau der Ansatz fehlt meiner Meinung nach auch auf Plattformen, die nur der Huldigung eines gescheiterten Unternehmens dienen und von Ihnen betrieben werden.

Steam sei Dank – Kritik erlaubt

Sieht man sich das letzte Release der Goodgame Studios an, muss der Betreiber sich in dem Fall der Kritik der User stellen. Und die fällt, gerade in den letzten Wochen mehr als negativ aus.  Wer auf Steam den Titel Big Farm Story sucht, sich die Rezensionen durchliest, der findet einen Sturm der Entrüstung. Mehr als nur gerechtfertigt, denn hier wird ein Early Access Spiel zum Preis von 19,99 verkauft, dazu ein DLC zum Preis von 14,99. Das DLC beinhaltet einen Hund. Soweit so schlecht, denn wer sich mit dem Thema Early Access beschäftigt, der wird ganz genau wissen, dass ein DLC zum Start der Early Access Phase mehr als unüblich – da fader Beigeschmack – ist.

Damit nicht genug wurde im Dezember ein Onlineshop im Spiel eröffnet, richtig gehört, ein PC Spiel, in dem man Online noch etwas kaufen kann. Was darf`s sein? Ein Brunnen für 20 Euro oder ein Regal für 10 Euro. Ich habe mir das Spiel nicht gekauft, ich habe mir ein Lets-Play-Video angeschaut. Unter uns Pastorentöchter, vergleichbar wäre das damit, dass ich mir für ein Auto kaufe, das DLC ist die Sonderausstattung, und steht das Auto erst mal in der Garage bekomme ich ein Angebot für Zusatzausstattungen, die genauso teuer sind wie der Wagen selbst. Ernsthaft? Klar verweist Goodgame hier wieder auf das Free-to-Play-Modell, niemand muss und niemand soll, ich habe aber ein PC Spiel gekauft und bezahle doch nicht im Vorwege für ein Free-to-Play Spiel, das noch in der Entwicklung ist. Wer Interesse hat, liest gerne die Rezensionen, dort kann man nämlich niemandem den Mund oder das Schreiben verbieten.

Made in Germany – aber ohne die Goodgame Studios

Braucht man also ein Unternehmen mit dieser riesigen Palette an Vorgeschichten? Ich bin der Meinung, wir brauchen solche Unternehmen nicht. Weder hier in Deutschland, noch sonstwo. Es gibt eine Menge Spieleschmieden, die ordentlich mit Ihren Kunden umgehen, die innovative Produkte / Spiele entwickeln, die Kritik ernst nehmen und einen Nutzen daraus ziehen. Die Goodgame Studios gehören nicht dazu.

Hier hat die Politik versagt, es sollte nicht im Interesse aller sein, mangelhafte oder qualitativ minderwertige Dienstleistungen made in germany auf den Markt zu bringen, es sollte unser aller Ziel sein, die Unternehmen zu unterstützen, die ein gutes Produkt vermarkten. Die Unternehmen, die sich der Kritik der Kunden stellen und ein Interesse daran haben, ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung zu verbessern.  Jedes Produkt made in germany ist Werbung für unseren Markt, schwarze Schafe ziehen dieses Image regelmäßig nach unten.

Solche Unternehmen braucht man in Hamburg, in Deutschland und in der Spielewelt nicht, weder als Aushängeschild einer Freien und Hansestadt Hamburg, als ehemaliges Vorzeigeunternehmen, noch als Entwickler für Spiele, die immer herzloser entwickelt werden und durch kleinste Veränderungen in Form von Updates allein der Ausbeutung der Spieler dienen.

Dieses Unternehmen braucht die Welt nicht mehr, die Verantwortlichen noch weniger. Ich kann nur raten, einen großen Bogen um den Namen Goodgame Studios und derer Verantwortlichen zu machen.

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